Krebsfälle in Oerrel

Einwohner befürchten militärische Altlasten könnten für gehäufte Krebsfälle in Oerrel verantwortlich sein, die Stadt hat Untersuchungen eingeleitet und prüft die Fälle.

Es ist ein belastendes, hochemotionales und wichtiges Thema, denn es geht um Menschenleben, um Familien, um Heimat. In Oerrel stehen Altlasten im Verdacht Ursache für eine Reihe von Krebserkrankungen bei Dorfbewohnern mittleren Alters zu sein. Im Fokus stehen dabei nach NDR-Informationen insgesamt 27 Fälle von zumeist Brust-, Speiseröhren- oder Darmkrebs. Ortsvorsteher Torsten von Scheffer fordert Aufklärung.

 

Zum Hintergrund der Altlasten

Während des zweiten Weltkriegs war Oerrel Standort der Lufthauptmunitionsanstalt (MUNA) und beherbergte diverse Rüstungsanlagen. Obgleich alle Aufzeichnungen der MUNA vor Kriegsende auf Befehl konsequent vernichtet wurden, scheint die Produktion von Brandbomben und chemischer Kampfstoffmunition dokumentiert. Ab 1942 wurde zudem der vor Oerrel gelegene Dethlinger Teich (Kieselgur) zur Entsorgung von Produktionsabfällen, chemischen Kampfstoffen und Kampfmitteln missbraucht. 

Keine vorschnellen Schlüsse

Die Stadt Munster erstellt in Abstimmung mit dem zuständigen Ministerium aktuell eine detaillierte Fallliste um Unregelmäßigkeiten, statistische Besonderheiten und mögliche Ursachen eingrenzen zu können. Zu diesem Zweck werden zeitnah Fragebögen ausgeben und ausgewertet. Besonderes Augenmerk gilt dabei möglichen Gemeinsamkeiten der Fälle – in der übergreifenden Betrachtung liegt die Anzahl der dokumentierten Erkrankungen im Verhältnis zur Bevölkerung kaum über dem landesweiten Durchschnitt.

Sollten sich die Befürchtungen erhärten und Altlasten tatsächlich für die Krebsfälle verantwortlich sein, ist insbesondere für die auf das Kriegsende folgenden Jahre eine durch die MUNA resultierende Belastung der Waldflächen nicht ausgeschlossen. In diesem Fall gehen Experten von allgemeinen Entwicklungszeiten der Krankheit von bis zu 30 Jahren aus. Dass zum heutigen Tag noch eine Gefahr – so sie denn bestand – von den Wäldern um Oerrel ausgeht, gilt als unwahrscheinlich. 

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